Oft bekomme ich Anrufe von völlig verzweifelten Angehörigen, deren Mutter, Vater oder Lebensgefährte sich innerhalb kurzer Zeit so verändert hat, dass sie den vertrauten Menschen kaum wiedererkennen. Dann höre ich Sätze wie: „Frau Hanak, gestern hat meine Mutter noch ganz normal mit mir gesprochen und heute weiß sie plötzlich nicht mehr, wer ich bin.“ Andere erzählen mir, dass der Vater seit seinem Krankenhausaufenthalt völlig durcheinander sei, plötzlich Dinge sehe, die nicht vorhanden sind, nachts unbedingt aufstehen wolle oder so schläfrig geworden sei, dass die Familie kaum noch zu ihm durchdringt.
Meine erste Frage ist in solchen Gesprächen fast immer, ob in den letzten Tagen etwas Akutes vorgefallen ist. War der Angehörige im Krankenhaus, gab es einen Sturz, eine Operation, einen Infekt oder eine andere plötzliche gesundheitliche Veränderung? Manchmal kommt die Antwort sofort: „Ja, meine Mutter wurde vor drei Tagen operiert.“ Ein anderes Mal erfahre ich, dass der Vater wegen einer Lungenentzündung ins Krankenhaus kam oder nach einem Sturz aufgenommen wurde und die Familie seitdem das Gefühl hat, einen völlig anderen Menschen vor sich zu haben.
Diese Vorgeschichte ist wichtig, denn wenn sich ein älterer Mensch innerhalb weniger Stunden oder Tage so deutlich verändert, muss man nicht automatisch davon ausgehen, dass plötzlich eine Demenz entstanden ist. Es kann sich um ein Delir handeln – einen akut auftretenden Verwirrtheitszustand, bei dem das Gehirn vorübergehend nicht mehr so zuverlässig arbeitet wie zuvor. Aufmerksamkeit, Orientierung, Gedächtnis, Wahrnehmung, Wachheit und auch der Tag Nacht Rhythmus können betroffen sein. Gerade ältere, gebrechliche Menschen und Menschen mit einer bereits bestehenden Demenz sind besonders gefährdet.
Viele Angehörige hören das Wort Delir zum ersten Mal in einer Situation, in der sie ohnehin schon verängstigt sind. Ein medizinischer Begriff hilft ihnen in diesem Augenblick wenig. Sie möchten verstehen, was mit ihrem Menschen geschieht. Sie möchten wissen, warum die eigene Mutter plötzlich so fremd wirkt, ob der Vater wieder klarer werden kann, was Ärzte überhaupt untersuchen und ob sie selbst etwas tun können. Genau diese Fragen möchte ich hier beantworten.
Dieser Artikel soll Ihnen dabei helfen, Zusammenhänge besser zu verstehen und bei Gesprächen mit Ärzten gezielter nachfragen zu können. Er ersetzt selbstverständlich keinen Arztbesuch, keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Wenn ein Mensch plötzlich deutlich verwirrt ist oder sich sein geistiger Zustand innerhalb kurzer Zeit stark verändert, sollte das medizinisch abgeklärt werden. Ein Delir ist keine harmlose Alterserscheinung, sondern kann ein Hinweis darauf sein, dass im Körper etwas akut aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Versuchen Sie einmal, sich die Situation nicht nur von außen anzusehen, sondern für einen Augenblick mit den Augen des betroffenen Menschen.
Ihre Mutter liegt vielleicht nach einer Operation in einem Krankenhauszimmer. Sie hat Schmerzen, schlecht geschlafen und ist körperlich geschwächt. Ihre Brille liegt im Nachttisch, das Hörgerät wurde für die Nacht herausgenommen. Beim Aufwachen weiß sie nicht mehr genau, wo sie sich befindet. Auf dem Flur werden Türen geöffnet, Geräte piepen, Stimmen sind zu hören, fremde Menschen kommen in das Zimmer und berühren sie.
Sie wissen, dass eine Pflegekraft nach Ihrer Mutter sieht. Ihre Mutter weiß es in diesem Augenblick vielleicht nicht.
Wenn sie plötzlich die Hand wegzieht, sich wehrt, laut wird oder unbedingt nach Hause möchte, wirkt das von außen schnell wie unvernünftiges oder schwieriges Verhalten. Für Ihre Mutter kann die Situation aber tatsächlich bedrohlich sein. Ihr Gehirn schafft es gerade nicht, all diese Eindrücke richtig einzuordnen.
Genau dieser Blick auf den Menschen ist mir wichtig. Wer ein Delir hat, beschließt nicht, schwierig zu sein. Er kann seine Umgebung für eine Zeit vollkommen anders erleben als wir.
Manche Menschen sehen Personen oder Gegenstände, die für andere nicht vorhanden sind. Andere entwickeln ein starkes Misstrauen oder glauben, sie müssten dringend irgendwohin. Wieder andere werden gar nicht unruhig, sondern ungewöhnlich still. Sie schlafen fast den ganzen Tag, antworten nur langsam und wirken, als seien sie innerlich weit weg. Diese stille Form nennt man ein hypoaktives Delir. Gerade sie kann leichter übersehen werden, weil der Mensch niemanden stört.
Wenn eine Tochter dann sagt: „Meine Mutter schläft normalerweise niemals so viel, irgendetwas stimmt nicht“, sollte man auch dieser Beobachtung Aufmerksamkeit schenken. Nicht nur Unruhe kann auf ein Delir hinweisen. Entscheidend ist die deutliche Veränderung gegenüber dem Zustand, den die Familie kennt.
Die Frage „Ist das jetzt Demenz?“ höre ich sehr oft. Sie ist verständlich, denn Verwirrtheit, Orientierungsprobleme und Gedächtnisstörungen können bei beiden vorkommen.
Ein wichtiger Unterschied liegt jedoch darin, wie schnell sich ein Mensch verändert.
Eine Demenz entwickelt sich normalerweise über einen längeren Zeitraum. Im Rückblick fällt der Familie vielleicht auf, dass in den vergangenen Monaten immer häufiger etwas vergessen wurde, vertraute Abläufe schwieriger wurden oder sich dieselben Fragen wiederholten. Die Veränderungen schleichen sich häufig langsam in den Alltag ein.
Ein Delir entsteht dagegen typischerweise innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen. Der Satz „Gestern war meine Mutter noch ganz anders“ ist deshalb ausgesprochen wichtig.
Hinzu kommt, dass ein Delir sehr stark schwanken kann. Am Vormittag führt der Vater vielleicht ein erstaunlich klares Gespräch, am Nachmittag weiß er kaum noch, wo er ist, und am Abend wirkt er wieder etwas besser. Für Angehörige ist dieses Auf und Ab emotional schwer auszuhalten. Ein klarer Moment macht Hoffnung, wenige Stunden später kommt die Angst zurück.
Gerade diese Schwankungen gehören jedoch zum typischen Bild eines Delirs.
Eine Demenz schützt übrigens nicht vor einem Delir. Im Gegenteil: Menschen mit einer bestehenden Demenz gehören zu den besonders gefährdeten Gruppen. Wenn sich also ein bereits dementer Mensch plötzlich innerhalb kurzer Zeit erheblich verändert, sollte man nicht vorschnell alles auf seine Demenz schieben. Auch dann kann zusätzlich ein Delir entstanden sein.
Und hier haben Angehörige etwas, das ein Arzt bei der ersten Begegnung noch gar nicht haben kann: Sie kennen diesen Menschen.
Sie wissen, wie aufmerksam Ihr Vater normalerweise ist, wie Ihre Mutter spricht, was sie sich merken kann und welche Eigenheiten zu ihr gehören. Wenn Sie sagen: „So kenne ich meine Mutter nicht“, ist das keine nebensächliche Bemerkung, sondern kann für die medizinische Einschätzung sehr wertvoll sein.
Gerade im hohen Alter gibt es häufig nicht nur einen einzigen Grund.
Ein Mensch kann mit vielen Einschränkungen lange erstaunlich gut zurechtkommen. Vielleicht hört er schlechter, die Nieren arbeiten nicht mehr ganz so gut, er nimmt mehrere Medikamente, bewegt sich weniger und hat vielleicht bereits leichte Gedächtnisprobleme. In seiner gewohnten Umgebung funktioniert sein Alltag trotzdem.
Dann kommt eine neue Belastung hinzu: eine Operation, ein Infekt, ein Sturz, Schmerzen, Flüssigkeitsmangel, schlechter Schlaf oder ein neues Medikament. Manchmal kommen mehrere Dinge gleichzeitig zusammen.
Der Körper besitzt im hohen Alter häufig weniger Reserven, um solche Belastungen auszugleichen. Deshalb können Ereignisse, die bei einem jüngeren Menschen kaum Auswirkungen auf die geistige Verfassung hätten, bei einem sehr alten oder gebrechlichen Menschen ein Delir begünstigen. Zu den bekannten Auslösern und Risikofaktoren gehören unter anderem akute Erkrankungen, Operationen, Flüssigkeitsmangel, kognitive Einschränkungen beziehungsweise Demenz und Gebrechlichkeit.
Daneben können Schmerzen, Sauerstoffmangel, Veränderungen des Blutzuckers, Störungen bestimmter Salze im Blut, Medikamentenwirkungen, Probleme beim Wasserlassen oder auch eine ausgeprägte Verstopfung eine Rolle spielen.
Deshalb frage ich Angehörige nicht nur: „Wie verhält sich Ihre Mutter?“ Mich interessiert genauso: Was ist vorher passiert?
Manchmal liegt gerade in dieser Geschichte der entscheidende Hinweis.
Viele Angehörige erzählen mir, dass im Krankenhaus irgendwann gesagt wurde: „Wir haben einen Delirtest gemacht.“ Häufig wissen sie danach aber immer noch nicht, was eigentlich untersucht wurde.
Ein Delir lässt sich nicht durch einen einzigen Blutwert feststellen. Auch ein CT zeigt nicht einfach, ob jemand ein Delir hat. Zunächst geht es um das Verhalten und die geistige Verfassung des Menschen: Ist er normal wach? Kann er seine Aufmerksamkeit halten? Weiß er ungefähr, wo er sich befindet? Ist die Veränderung plötzlich entstanden? Schwankt der Zustand?
Dafür gibt es verschiedene standardisierte Verfahren. Ein häufig eingesetzter kurzer Test ist der 4AT. Er besteht aus vier Bereichen und kann in wenigen Minuten durchgeführt werden.
Zunächst wird beurteilt, wie wach und aufmerksam der Mensch wirkt. Danach werden vier einfache Orientierungsfragen gestellt: nach dem Alter, dem Geburtsdatum, dem Ort und dem aktuellen Jahr. Anschließend wird die Aufmerksamkeit geprüft. Dafür soll der Betroffene beispielsweise die Monate rückwärts nennen, beginnend mit Dezember.
Vielleicht wirkt diese Aufgabe auf Sie zunächst merkwürdig. Ihr Sinn ist aber gut nachvollziehbar. Wer die Monate rückwärts aufzählt, muss eine Anweisung verstehen, sie kurz im Gedächtnis behalten, sich konzentrieren und die Aufmerksamkeit bei der Aufgabe halten. Genau diese Fähigkeit kann bei einem Delir gestört sein.
Der vierte Bereich prüft, ob die Veränderung akut neu entstanden ist oder ob der Zustand deutlich schwankt. Hier wird die Beobachtung der Familie besonders wichtig, denn niemand kann besser sagen, ob ein Verhalten neu ist, als Menschen, die den Betroffenen gut kennen.
Der 4AT wird mit Punkten bewertet. Ein Wert von vier oder mehr Punkten spricht für ein mögliches Delir und sollte zu einer weiteren klinischen Beurteilung führen. Ein Testergebnis allein stellt aber noch keine endgültige Diagnose. Bei einem Wert von ein bis drei Punkten kann eine kognitive Einschränkung vorliegen, ohne dass damit automatisch ein Delir festgestellt ist. Auch ein unauffälliger Wert schließt ein Delir nicht in jeder Situation sicher aus.
Das ist gerade bei bereits dementen Menschen wichtig. Eine Mutter mit fortgeschrittener Demenz kann manche Orientierungsfragen auch an einem guten Tag nicht beantworten. Deshalb darf kein Test losgelöst von dem Menschen und seiner Vorgeschichte betrachtet werden.
Wenn ein Delir vermutet wird, muss herausgefunden werden, warum es entstanden ist.
Dazu gehört eine gründliche körperliche Untersuchung und eine genaue Vorgeschichte. Hat der Betroffene Fieber? Schmerzen? Hat er wenig getrunken? Gab es einen Sturz? Wurde operiert? Hat sich ein Medikament verändert? Gab es Probleme beim Wasserlassen oder seit Tagen keinen Stuhlgang? Wie ist die Sauerstoffversorgung?
Angehörige halten manche dieser Beobachtungen für so alltäglich, dass sie sie gar nicht erwähnen. Ich würde lieber einmal zu viel erzählen als einmal zu wenig. Sie müssen nicht entscheiden, welche Information medizinisch bedeutsam ist.
Auch Blutuntersuchungen können helfen, mögliche Ursachen zu finden. Dabei sucht man nicht nach einem besonderen „Delirwert“. Entzündungswerte und das Blutbild können Hinweise auf eine Infektion liefern. Der Blutzucker wird kontrolliert, weil sowohl sehr niedrige als auch sehr hohe Werte die geistige Verfassung beeinflussen können.
Vielleicht hören Sie bei der Besprechung den Begriff Elektrolyte. Damit sind bestimmte Salze im Blut gemeint, zum Beispiel Natrium und Kalium. Sie sind für zahlreiche Funktionen des Körpers wichtig, auch für Nerven und Muskeln. Wenn diese Werte deutlich aus dem Gleichgewicht geraten, kann auch das Gehirn darauf reagieren.
Ebenso können die Nierenwerte von Bedeutung sein. Arbeiten die Nieren nicht mehr so gut wie früher, werden bestimmte Stoffe und manche Medikamente nicht mehr in der gewohnten Weise ausgeschieden.
Je nachdem, was der Arzt vermutet, können weitere Untersuchungen hinzukommen. Nicht jeder Mensch braucht jedes Untersuchungsverfahren. Entscheidend ist, dass nach einer plausiblen körperlichen Ursache gesucht wird.
Viele ältere Menschen nehmen mehrere Medikamente. Das ist bei verschiedenen Erkrankungen häufig notwendig und richtig. Trotzdem sollte bei einem Delir die gesamte Medikation überprüft werden.
Mit zunehmendem Alter verändert sich der Körper. Vielleicht arbeitet die Niere nicht mehr so leistungsfähig, vielleicht trinkt der Mensch zu wenig oder ist akut erkrankt. Dann kann sich auch die Wirkung eines Medikamentes verändern. Ein Präparat, das vorher jahrelang gut vertragen wurde, kann unter neuen körperlichen Bedingungen plötzlich anders wirken.
Deshalb halte ich eine aktuelle und vollständige Medikamentenliste bei einem Krankenhausaufenthalt für sehr wichtig. Dazu gehören auch Medikamente, die nur bei Bedarf genommen werden, Schlaf oder Beruhigungsmittel und frei verkäufliche Präparate.
Bitte setzen Sie wegen eines Verdachts niemals eigenmächtig Medikamente ab. Sie können den behandelnden Arzt aber ruhig fragen, ob überprüft wurde, ob ein Medikament die Verwirrtheit ausgelöst oder verstärkt haben könnte.
Flüssigkeitsmangel wird im Alter leicht unterschätzt. Das Durstgefühl kann schwächer werden, und manche ältere Menschen trinken sogar bewusst weniger, weil ihnen der Gang zur Toilette schwerfällt oder sie Angst vor Inkontinenz haben.
Kommt dann ein Infekt mit Fieber hinzu, Durchfall, Erbrechen oder einfach mehrere Tage, an denen kaum etwas getrunken wurde, kann der Körper erheblich belastet werden.
Wenn Ihnen auffällt, dass Ihre Mutter in den Tagen vor der Verwirrtheit fast nichts getrunken hat, sagen Sie das. Ein trockener Mund, sehr dunkler Urin, deutlich weniger Wasserlassen und zunehmende Schwäche können Hinweise sein, beweisen allein aber noch keinen Flüssigkeitsmangel.
Für mich ist auch das ein gutes Beispiel dafür, warum Angehörige so wichtig sein können. Sie sehen Dinge im Alltag, die in einer kurzen Untersuchung gar nicht sichtbar werden.
Es gibt nicht die eine Tablette gegen ein Delir. Die wichtigste Behandlung richtet sich gegen die Ursache.
Wenn Flüssigkeit fehlt, muss dieser Mangel ausgeglichen werden. Schmerzen gehören behandelt, eine behandlungsbedürftige Infektion braucht die passende Therapie, auffällige Stoffwechselwerte werden korrigiert und Medikamente überprüft. Auch andere körperliche Belastungen müssen erkannt und behandelt werden.
Daneben braucht ein Gehirn, das seine Umgebung gerade nur schwer einordnen kann, möglichst viel Orientierung und möglichst wenig zusätzliche Verwirrung. Genau deshalb spielen scheinbar einfache Dinge eine große Rolle: Brille und Hörgerät, Tageslicht, ein erkennbarer Tagesablauf, eine gut sichtbare Uhr, ausreichend Essen und Trinken, Bewegung im Rahmen der Möglichkeiten, eine gute Schmerzbehandlung und möglichst guter Schlaf. Solche miteinander kombinierten Maßnahmen gehören zu den zentralen Empfehlungen der aktuellen Leitlinie.
Gerade Brille und Hörgerät werden leicht unterschätzt. Wenn Ihre Mutter Sie ohnehin nicht richtig einordnen kann und zusätzlich Ihr Gesicht nur verschwommen erkennt, wird ihre Welt noch unsicherer. Wenn Ihr Vater schlecht hört und von einem Gespräch nur einzelne Wörter versteht, muss sein ohnehin belastetes Gehirn die fehlenden Informationen irgendwie ergänzen.
Etwas so Alltägliches wie eine Brille kann deshalb plötzlich ein wichtiger Teil der Orientierung sein.
Viele Angehörige möchten in einer solchen Situation unbedingt helfen und haben gleichzeitig Angst, etwas falsch zu machen. Bitte laden Sie sich nicht die Verantwortung auf, ein Delir selbst „wegmachen“ zu müssen. Das können Sie nicht und das ist auch nicht Ihre Aufgabe.
Sie können Ihrem Angehörigen aber helfen, sich etwas sicherer zu fühlen.
Wenn Ihre Mutter Sie nicht erkennt, versuchen Sie möglichst nicht, ihr Wissen zu prüfen. Die Frage „Mama, weißt du wirklich nicht, wer ich bin?“ ist menschlich verständlich, denn dahinter steckt häufig die eigene Angst. Man möchte unbedingt dieses eine Zeichen bekommen, dass die vertraute Mutter noch da ist.
Für sie kann die Frage aber zu einer weiteren Aufgabe werden, an der sie gerade scheitert.
Sagen Sie lieber ruhig: „Mama, ich bin deine Tochter. Ich bin jetzt bei dir.“
Wenn sie nicht weiß, wo sie ist, erklären Sie es kurz. Wenn sie eine halbe Stunde später wieder fragt, erklären Sie es noch einmal. Sie ignoriert Ihre Antwort nicht absichtlich. Möglicherweise konnte ihr Gehirn diese Information einfach nicht festhalten.
Auch bei Wahrnehmungen, die Sie nicht teilen, hilft Streit meistens wenig. Wenn Ihr Vater überzeugt ist, dass jemand im Zimmer steht, obwohl Sie niemanden sehen, müssen Sie diese Wahrnehmung nicht bestätigen. Sie können trotzdem wahrnehmen, dass er Angst hat. Für ihn kann das, was er sieht oder glaubt, vollkommen real sein.
Je weniger wir einen verängstigten Menschen dazu zwingen, unsere Wirklichkeit zu beweisen, desto eher können wir ihm Sicherheit geben.
Darauf hätten Angehörige verständlicherweise gern eine genaue Antwort. Die gibt es leider nicht.
Ein Delir kann sich innerhalb einiger Tage deutlich bessern, bei anderen Menschen dauert die Erholung länger. Alter, körperliche Gebrechlichkeit, die auslösende Erkrankung und eine möglicherweise bereits bestehende kognitive Einschränkung spielen dabei eine Rolle. Eine vollständige Erholung ist möglich, ein Delir kann aber auch längerfristige körperliche oder geistige Folgen haben.
Besonders schwer ist für Familien häufig, dass die Besserung nicht geradlinig verläuft. Vielleicht spricht Ihre Mutter vormittags plötzlich wieder fast so wie früher. Sie fahren erleichtert nach Hause und glauben, nun sei die schlimmste Zeit vorbei. Am Abend ist sie wieder sehr verwirrt.
Das kann sich wie ein Rückfall anfühlen, obwohl solche Schwankungen zum Delir gehören können.
Deshalb würde ich nicht jede einzelne Stunde zum Maßstab dafür machen, ob sich der Mensch erholt. Wichtiger ist die Entwicklung über einen längeren Zeitraum.
Diese Frage ist wahrscheinlich die schwerste, weil sie nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantwortet werden kann.
Manche Menschen erholen sich vollständig. Bei anderen bleiben körperliche oder geistige Einschränkungen zurück. Besonders bei sehr alten, gebrechlichen Menschen und bei einer bereits bestehenden Demenz kann die Erholung schwieriger sein. Nach einem Delir besteht außerdem ein erhöhtes Risiko für weiteren Hilfebedarf und erneute gesundheitliche Probleme.
Ich würde deshalb weder vorschnell Hoffnung nehmen noch etwas versprechen, was niemand versprechen kann.
Wenn Ihre Mutter heute kaum weiß, wo sie ist, bedeutet das nicht automatisch, dass sie dauerhaft so bleiben wird. Umgekehrt kann niemand seriös versprechen, dass nach drei Tagen alles wieder genau so ist wie vorher.
Ein Mensch braucht nach einem Delir manchmal mehr Zeit, als die Familie erwartet.
Nicht jedes Delir lässt sich verhindern, aber das Risiko kann durchaus beeinflusst werden.
Besonders aufmerksam sollte man bei Menschen sein, die bereits eine Demenz haben, sehr gebrechlich sind, schon einmal ein Delir erlebt haben oder vor einer größeren Operation stehen. Die aktuelle Leitlinie empfiehlt ausdrücklich, das individuelle Delirrisiko zu berücksichtigen und vorbeugende Maßnahmen einzusetzen.
Für Angehörige bedeutet das ganz praktisch, bei einem geplanten Krankenhausaufenthalt wichtige Informationen von Anfang an weiterzugeben. Hat Ihre Mutter nach einer früheren Operation schon einmal stark verwirrt reagiert, sagen Sie es. Nehmen Sie ihre Medikamentenliste mit. Denken Sie an Brille und Hörgerät. Fragen Sie, ob ein erhöhtes Delirrisiko besteht und was vorbeugend getan wird.
Ausreichendes Trinken und Essen, gute Schmerzbehandlung, Bewegung, Orientierung, ein möglichst normaler Schlaf und vertraute Kontakte gehören ebenfalls zu den Maßnahmen, mit denen das Risiko gesenkt werden kann. Die Patientenleitlinie betont, dass Delirien durch ein Bündel solcher Maßnahmen teilweise verhindert werden können.
Das bedeutet aber nicht, dass eine Familie schuld ist, wenn ein Delir trotzdem entsteht. Vorbeugung kann Risiken reduzieren, sie kann nicht jedes Delir verhindern.
Eine Entlassung ist für Familien meistens eine große Erleichterung. Trotzdem bedeutet der Satz „Ihre Mutter kann nach Hause“ nicht automatisch, dass sie bereits wieder genauso selbstständig ist wie vor dem Krankenhausaufenthalt.
Vielleicht läuft sie unsicherer, benötigt beim Toilettengang Hilfe, vergisst noch zu trinken oder kann ihre Medikamente im Moment nicht zuverlässig selbst einnehmen. Vielleicht ist sie nachts weiterhin unruhig.
Darum sollte man vor einer Entlassung nicht nur fragen, wann der Mensch nach Hause darf, sondern auch, wie er dort tatsächlich zurechtkommen soll. Kann er sicher aufstehen? Kann er allein zur Toilette? Isst und trinkt er zuverlässig? Kann er seine Medikamente richtig einnehmen? Braucht er nachts jemanden? Reicht die bisherige Hilfe zu Hause noch aus?
Solche Fragen sind keine Nebensache. Sie entscheiden darüber, ob ein älterer Mensch nach der Entlassung wirklich sicher versorgt werden kann.
Über Tests, Blutwerte und Behandlung kann man viel erklären. Trotzdem darf man nicht vergessen, was diese Situation mit einer Familie macht.
Wenn mir eine Tochter erzählt, dass ihre Mutter sie plötzlich gefragt hat: „Wer sind Sie?“, dann kann ich ihr erklären, dass so etwas bei einem Delir vorkommen kann. Aber damit ist ihr Schmerz nicht verschwunden.
Es ist ihre Mutter.
Vielleicht der Mensch, der sie seit dem ersten Tag ihres Lebens kennt, der an ihrer Stimme merkt, wenn etwas nicht stimmt, und der jetzt plötzlich in ihr Gesicht schaut, als sähe er eine Fremde.
Natürlich tut das weh.
Deshalb halte ich wenig von dem Satz: „Nehmen Sie das nicht persönlich.“ Ein Mensch kann sehr wohl verstehen, dass die Verwirrtheit krankheitsbedingt ist, und trotzdem traurig darüber sein. Er kann wissen, dass der Vater nicht absichtlich aggressiv reagiert, und trotzdem erschrocken sein. Er kann Hoffnung haben und gleichzeitig nachts wachliegen, weil er Angst davor hat, wie es weitergeht.
Das ist kein Widerspruch.
Der Erkrankte braucht Verständnis, weil seine Welt gerade aus den Fugen geraten ist. Der Angehörige braucht ebenfalls Verständnis, weil er danebensteht und einen Menschen zeitweise kaum wiedererkennt, den er seit Jahrzehnten kennt.
Für mich gehören beide Seiten zusammen.
Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Angehöriger plötzlich völlig verändert ist, beginnen Sie nicht mit medizinischen Fachbegriffen. Sagen Sie zuerst genau das, was Sie wissen: „Meine Mutter ist seit gestern völlig anders. So kenne ich sie nicht.“
Erzählen Sie, was in den Tagen davor passiert ist, und fragen Sie, ob ein Delir in Betracht gezogen wurde. Lassen Sie sich erklären, ob ein Screening gemacht wurde und was dabei aufgefallen ist. Fragen Sie nach der vermuteten Ursache, nach auffälligen Untersuchungen, nach der Medikamentenüberprüfung und danach, was jetzt konkret behandelt wird.
Wenn Sie einen Begriff nicht verstehen, lassen Sie ihn sich erklären.
Sie müssen nicht wissen, was ein Elektrolyt ist, bevor jemand es Ihnen erklärt. Sie müssen keinen 4AT kennen und keine Laborwerte auswendig lernen.
Sie dürfen aber verstehen wollen, was mit Ihrem Menschen geschieht.
Wenn sich Ihre Mutter, Ihr Vater oder Ihr Lebensgefährte innerhalb weniger Stunden oder Tage plötzlich stark verändert, nehmen Sie diese Veränderung ernst und lassen Sie sie medizinisch abklären. Fragen Sie nicht nur danach, was mit dem Menschen passiert ist, sondern auch danach, warum.
Erzählen Sie, was Sie beobachtet haben. Sie kennen die Stimme Ihres Vaters, die Gewohnheiten Ihrer Mutter und den Blick Ihres Partners sehr viel länger als die Menschen, die ihn gerade medizinisch betreuen.
Und versuchen Sie bei aller Angst, den Menschen hinter der Veränderung nicht zu verlieren.
Ihre Mutter ist nicht plötzlich „das Delir“. Ihr Vater ist nicht nur noch „der verwirrte Patient“. Da ist derselbe Mensch, den Sie vorher kannten. Nur gelingt es seinem Gehirn im Augenblick möglicherweise nicht, seine Umgebung, seine Erinnerungen und seine Gefühle so zu ordnen wie sonst.
Das kann erschreckend sein. Es kann Tage geben, an denen Sie Ihren vertrauten Menschen kaum wiederfinden, und dann plötzlich einen Moment, in dem der alte Blick wieder da ist.
Vielleicht ist gerade das das Schwerste am Delir – und gleichzeitig das, woran man sich festhalten kann: Ein Mensch kann für eine Zeit sehr weit entfernt wirken, ohne deshalb verloren zu sein.
Bleiben Sie, soweit Ihre eigene Kraft reicht, ein vertrauter Mensch in seiner vorübergehend fremd gewordenen Welt. Und achten Sie dabei auch auf sich selbst. Angehörige müssen nicht alles tragen, nur weil sie lieben.
Ihre
Elke Hanak
Elkine-Seniorenbetreuung
„Ein akutes Delir oder eine fortschreitende Demenz verlangen Familien alles ab. Als deutsche 24 Stunden Seniorenbetreuung mit 25 Jahren Erfahrung stehen wir Ihnen als direkter Partner ohne ausländische Zwischenagenturen zur Seite. Bei uns arbeiten deutsche Kräfte oder Kräfte die sehr gut die deutsche Sprache sprechen. Durch unseren bewährten 14 tägigen Rhythmus garantieren wir Ihnen stets ausgeruhte und gleichbleibende Bezugspersonen für ein stabile Umfeld. Informieren Sie sich hier über unsere spezialisierte 24 Stunden Demenzbetreuung oder unsere professionelle 24 Stunden Krankenhausnachsorge> für ein sicheres Zuhause.“>
Manchmal beginnt es ganz unscheinbar.
Sie werden nachts wach, weil irgendwo eine Schublade aufgezogen wird. Erst hören Sie nur ein leises Klappern, dann Schritte im Flur. Sie stehen auf und finden Ihre Mutter in der Küche. Auf dem Tisch liegen Teller, Tassen und Besteck, sorgfältig nebeneinandergelegt. Vielleicht hat sie sogar Brot herausgeholt und sucht nach einer Schüssel.
Es ist zwei Uhr nachts.
Auf Ihre Frage, was sie macht, schaut sie Sie fast verwundert an.
„Die kommen doch gleich.“
Wer kommen soll, kann sie nicht erklären. Vielleicht weiß sie selbst nicht mehr genau, wen sie erwartet. Aber dass etwas vorbereitet werden muss, daran scheint für sie überhaupt kein Zweifel zu bestehen.
Am nächsten Abend räumt sie ihre Kleidung aus dem Schrank und legt einzelne Stücke ordentlich aufs Bett. In einer anderen Nacht steckt sie Taschentücher, eine Bürste und verschiedene Kleinigkeiten in eine Tasche. Wenn Sie fragen, wohin sie möchte, bekommen Sie keine klare Antwort. Nur dieses entschlossene Gefühl: Es muss etwas getan werden.
Für Angehörige sind solche Nächte schwer zu verstehen. Man steht daneben und sieht Dinge geschehen, für die es im heutigen Leben keinen erkennbaren Anlass gibt. Gleichzeitig ist man müde, vielleicht seit Wochen, und möchte eigentlich nur, dass endlich Ruhe einkehrt.
Gerade dann übersieht man leicht etwas sehr Menschliches: Für den Menschen vor uns kann dieses Tun durchaus einen Sinn haben.
Nur liegt dieser Sinn möglicherweise viele Jahrzehnte zurück.
Wir sprechen bei Demenz sehr viel über das Gedächtnis. Darüber, was ein Mensch noch weiß, welchen Namen er vergessen hat, ob er den Tag erkennt und welche Ereignisse er noch erzählen kann.
Aber ein Leben besteht nicht nur aus Dingen, die wir bewusst erinnern.
Es besteht auch aus unzähligen Wiederholungen.
Jeden Morgen den Tisch decken.
Am Abend kontrollieren, ob alle Türen geschlossen sind.
Kleidung für den nächsten Tag bereitlegen.
Darauf achten, dass genügend Vorräte im Haus sind.
Nachsehen, ob alles an seinem Platz ist.
Für andere mitdenken.
Vorbereiten.
Ordnung schaffen.
Verantwortung übernehmen.
Wer solche Dinge über dreißig, vierzig oder fünfzig Jahre getan hat, hat sie nicht jeden Tag neu beschlossen. Sie sind irgendwann selbstverständlich geworden, beinahe Teil des Körpers.
Genau deshalb erleben Angehörige bei Demenz manchmal etwas Erstaunliches: Ein Mensch kann nicht mehr erklären, warum er etwas tut, und tut es trotzdem mit einer Selbstverständlichkeit, die erkennen lässt, wie vertraut es ihm einmal gewesen sein muss.
Vielleicht steht Ihre Mutter nachts nicht in der Küche, weil sie „grundlos unruhig“ ist.
Vielleicht bereitet sie in ihrer inneren Welt gerade einen Morgen vor, wie sie ihn unzählige Male vorbereitet hat.
Und plötzlich sieht man dieselbe Szene anders.
Wir müssen dabei vorsichtig sein. Nicht jedes Verhalten lässt sich aus der Biografie erklären, und wir sollten einem Menschen keine Geschichte überstülpen, nur weil sie schön klingt.
Aber wir dürfen neugierig werden.
Wie hat dieser Mensch früher gelebt?
Was gehörte jeden Tag zu seinem Leben?
Wofür fühlte er sich verantwortlich?
Was durfte auf keinen Fall vergessen werden?
Eine Frau, die nachts immer wieder Geschirr aus dem Schrank holt, war vielleicht jahrzehntelang diejenige, die morgens für alle da war. Einer musste früh zur Arbeit, ein anderer zur Schule, später kamen Enkelkinder, Gäste oder Angehörige. Ihre Küche war vielleicht der Ort, an dem sie wusste, was zu tun war, ohne darüber nachdenken zu müssen.
Heute kann sie möglicherweise nicht mehr sagen, welcher Monat ist.
Aber ihre Hände wissen noch, wo die Teller stehen.
Das berührt mich an Demenz immer wieder: Manches Wissen verschwindet aus den Worten und bleibt trotzdem irgendwo im Menschen erhalten.
Nicht zuverlässig. Nicht unverändert. Und manchmal in einer Zeit, in der es überhaupt nicht mehr gebraucht wird.
Aber es ist noch da.
Wenn Sie eine solche Frau um zwei Uhr morgens in der Küche antreffen, können Sie natürlich alles wieder wegräumen und erklären, dass jetzt niemand frühstückt. Vielleicht muss das sogar sein, weil sie sonst die ganze Nacht beschäftigt wäre oder sich gefährden könnte.
Doch bevor Sie nur die Unruhe sehen, schauen Sie einen Augenblick auf die Frau.
Vielleicht steht dort auch jemand, der sein halbes Leben dafür gesorgt hat, dass es anderen gut geht.
Das nimmt die Anstrengung dieser Nacht nicht weg.
Aber es kann verhindern, dass von diesem Menschen irgendwann nur noch das Verhalten übrigbleibt, das uns Mühe macht.
Es gibt Menschen mit Demenz, die nachts Schubladen leeren, Dinge sortieren, Kleidung stapeln oder Gegenstände von einem Ort an einen anderen tragen.
Für Angehörige ist das zermürbend. Vor allem dann, wenn am nächsten Morgen alles wieder gesucht, eingeräumt und in Ordnung gebracht werden muss.
Manchmal entsteht daraus ein täglicher Kreislauf: Der Angehörige räumt tagsüber auf, der Mensch mit Demenz räumt nachts wieder um.
Nach einigen Wochen findet man daran nichts Interessantes mehr.
Man ist nur noch müde.
Und das verstehe ich sehr gut.
Trotzdem lohnt sich auch hier die Frage, was Ordnung für diesen Menschen früher bedeutet hat.
Es gibt Menschen, deren Leben davon geprägt war, alles im Griff zu behalten. Vielleicht war ein aufgeräumter Haushalt wichtig. Vielleicht durfte am Abend nichts herumliegen. Vielleicht bedeutete Ordnung Sicherheit, Anständigkeit oder einfach das beruhigende Gefühl, seine Aufgaben erledigt zu haben.
Bei Demenz kann der Zusammenhang verloren gehen, während der Drang zu handeln bestehen bleibt.
Dann wird eine Schublade nicht deshalb ausgeräumt, weil jemand uns zusätzliche Arbeit machen möchte.
Der Mensch versucht möglicherweise selbst, eine Ordnung herzustellen, die er innerlich nicht mehr findet.
Das ist psychologisch ein wichtiger Unterschied.
Denn ein Leben, das zunehmend unverständlich wird, kann Angst machen. Wenn vertraute Abläufe, Räume und Zusammenhänge nicht mehr zuverlässig erkannt werden, suchen Menschen nach etwas, woran sie sich halten können. Ein bekanntes Tun kann dann beruhigender sein als jede Erklärung.
Die Hände machen etwas Vertrautes, während der Kopf die Gegenwart nicht mehr sicher einordnen kann.
Vielleicht kennen Sie eine andere Form nächtlicher Unruhe.
Ihr Angehöriger geht immer wieder zur Haustür.
Er prüft die Klinke.
Geht zum Fenster.
Kommt zurück.
Sie bringen ihn wieder ins Bett, doch kurze Zeit später hören Sie erneut die Tür.
Nach mehreren Nächten sind Sie nicht mehr neugierig auf die Ursache. Sie wollen einfach schlafen und vor allem sicher sein, dass niemand hinausgeht.
Das ist verständlich.
Aber auch solches Kontrollieren kann aus einem früheren Leben kommen.
Vielleicht war dieser Mensch immer derjenige, der abends noch einmal durchs Haus ging. Der nachsah, ob abgeschlossen war, ob Licht brannte, ob alles sicher war. Vielleicht gehörte es jahrzehntelang zu seinem Abend, Verantwortung für Haus und Familie zu tragen.
Heute weiß er womöglich fünf Minuten später nicht mehr, dass er die Tür bereits kontrolliert hat.
Das Bedürfnis, sich zu vergewissern, ist trotzdem wieder da.
Und dann entsteht eine quälende Schleife: Das Gefühl verlangt nach Sicherheit, die Kontrolle beruhigt kurz, die Erinnerung an die Kontrolle geht verloren, und die Unsicherheit beginnt erneut.
Für den Angehörigen sieht es aus wie endloses Wiederholen.
Für den Menschen mit Demenz kann sich jedes einzelne Mal anfühlen, als hätte er gerade erst bemerkt, dass etwas überprüft werden muss.
Wenn man sich das vorstellt, versteht man ein wenig besser, warum der Satz „Du hast doch gerade erst nachgesehen“ so wenig bewirken kann.
Er hat gerade nachgesehen.
Nur kann er sich auf diese Erinnerung nicht mehr verlassen.
Am Tag hilft uns die Welt, zu wissen, wo wir sind.
Licht fällt durchs Fenster, auf der Straße fahren Autos, Mahlzeiten folgen aufeinander, Menschen telefonieren, Türen gehen, irgendwo läuft ein Fernseher. Selbst ein Mensch mit fortgeschrittener Demenz bekommt dadurch unzählige kleine Hinweise darauf, dass gerade Tag ist und Leben um ihn herum stattfindet.
Nachts wird diese Welt stiller.
Dann kann ein vertrautes Zimmer plötzlich anders aussehen. Ein Schatten genügt, um einen bekannten Gegenstand fremd wirken zu lassen. Das Haus klingt anders. Niemand kommt. Niemand geht. Die üblichen Abläufe fehlen.
Für einen Menschen, dessen Orientierung ohnehin unsicher geworden ist, kann diese Leere sehr belastend sein.
Und in diese Leere drängt manchmal etwas Vertrautes hinein.
Ein alter Ablauf.
Eine Aufgabe.
Eine Gewohnheit.
Etwas, das man früher immer getan hat und bei dem man nicht überlegen musste.
Das ist einer der Gründe, warum ich nächtliche Unruhe nicht vorschnell nur als Störung betrachten würde. Manchmal versucht ein Mensch darin, sich selbst Halt zu geben.
An dieser Stelle darf man die Angehörigen nicht vergessen.
Denn so berührend eine Lebensgeschichte sein kann: Um halb drei Uhr nachts fühlt sie sich nicht immer berührend an.
Nach der ersten schlechten Nacht ist man müde.
Nach der fünften wird man dünnhäutig.
Wenn die Nächte über Wochen unterbrochen sind, kann irgendwann schon ein Geräusch aus dem Nachbarzimmer reichen, damit im eigenen Körper alles angespannt ist.
Man schläft nicht mehr richtig ein, weil man auf das nächste Aufstehen wartet. Man hört Türen, Schritte, Wasser, Schubladen. Selbst wenn es still bleibt, lauscht man.
Das ist eine besondere Form der Erschöpfung, weil der Körper irgendwann vergessen kann, wie sich wirkliche Ruhe anfühlt.
Und morgens ist niemand da, der sagt: Sie haben fast nicht geschlafen, heute fällt alles aus.
Der Mensch mit Demenz braucht trotzdem Hilfe.
Es muss gegessen werden. Vielleicht ist Körperpflege nötig. Medikamente, Termine und Haushalt warten. Angehörige telefonieren mit Ärzten, Pflegekassen, Pflegediensten oder anderen Familienmitgliedern und versuchen nebenbei noch, ihr eigenes Leben zusammenzuhalten.
Irgendwann kann ein Mensch in einer solchen Situation einen Ton anschlagen, den er selbst von sich nicht kennt.
Und genau dann beginnt häufig die nächste Qual: das schlechte Gewissen.
Es ist der Moment, in dem Sie Ihren Angehörigen nachts hören und für einen kurzen Augenblick liegen bleiben.
Nicht weil es Ihnen gleichgültig wäre.
Sondern weil alles in Ihnen sagt: Ich kann gerade nicht mehr.
Vielleicht bleiben Sie nur zehn Sekunden liegen.
Vielleicht drehen Sie sich um und wünschen sich, das Geräusch hätte Sie nicht geweckt.
Und dann stehen Sie natürlich doch auf.
Viele Menschen schämen sich bereits für diese wenigen Sekunden.
Das sollten sie nicht.
Wer einen Menschen liebt, kann trotzdem erschöpft sein. Liebe hebt die Grenzen des Körpers nicht auf und macht aus einem Menschen keine unendliche Kraftquelle.
Man kann mit ganzem Herzen für jemanden da sein und sich gleichzeitig danach sehnen, wenigstens einmal bis zum Morgen schlafen zu dürfen.
Diese beiden Gefühle widersprechen sich nicht.
Gerade Angehörige, die besonders viel tragen, glauben häufig, sie müssten noch geduldiger, noch verständnisvoller und noch belastbarer sein. Dabei wäre manchmal viel wichtiger, dass endlich jemand auch ihre Erschöpfung ernst nimmt.
Nach einer langen Nacht kann ein Satz fallen, den man nie sagen wollte.
Vielleicht haben Sie laut gesagt, dass jetzt Schluss sein müsse. Vielleicht haben Sie Ihre Mutter schärfer angesprochen. Vielleicht haben Sie etwas weggenommen, weil Sie einfach keine Kraft mehr hatten, zum fünften Mal dieselbe Schublade einzuräumen.
Hinterher wissen Sie genau, dass Ihr Angehöriger nicht absichtlich so gehandelt hat.
Und gerade deshalb tut es weh.
Aber auch Sie haben in diesem Moment nicht absichtlich Ihre Geduld verloren.
Sie waren müde.
Vielleicht völlig übermüdet.
Vielleicht schon seit Monaten in einer Verantwortung, die niemals wirklich endet.
Es hilft niemandem, daraus eine moralische Frage zu machen.
Viel hilfreicher ist die ehrliche Frage, wie lange ein Mensch diese Belastung noch tragen kann und wo Entlastung möglich ist, bevor aus Überforderung Verzweiflung wird.
Ich möchte Angehörigen an dieser Stelle nichts versprechen, was nicht stimmt.
Wenn Sie verstehen, warum Ihre Mutter nachts den Tisch deckt, wird sie deshalb nicht zwangsläufig damit aufhören.
Wenn Sie begreifen, warum Ihr Mann immer wieder die Tür kontrolliert, kann er trotzdem zehn Minuten später erneut davorstehen.
Psychologisches Verständnis ist kein Schalter.
Aber es kann etwas anderes verändern: die Beziehung zu dem Verhalten.
Es macht einen Unterschied, ob man denkt: „Warum macht sie das schon wieder?“, oder ob man irgendwann erkennen kann: „Das war einmal ein wichtiger Teil ihres Lebens.“
Der Aufwand bleibt.
Die Müdigkeit bleibt möglicherweise ebenfalls.
Aber der Mensch verschwindet nicht mehr vollständig hinter dem Problem.
Und genau das halte ich für entscheidend.
Denn Demenz führt im Alltag leicht dazu, dass wir irgendwann fast nur noch sehen, was nicht funktioniert. Der Mensch isst nicht richtig, schläft nicht, räumt Dinge weg, läuft umher, fragt immer dasselbe, findet das Badezimmer nicht oder braucht Hilfe.
So kann sich die Krankheit langsam vor die ganze Person schieben.
Bis eines Nachts eine alte Frau in der Küche steht und mit großer Sorgfalt sechs Tassen auf den Tisch stellt.
Man könnte nur sehen, dass es zwei Uhr morgens ist und anschließend alles wieder weggeräumt werden muss.
Oder man kennt ihre Geschichte.
Vielleicht war ihr Tisch früher selten leer.
Vielleicht kamen Kinder, Verwandte oder Freunde. Vielleicht war ihre Art, Liebe zu zeigen, nie das große Gespräch. Vielleicht zeigte sie sie, indem sie etwas zu essen hinstellte, eine Tasse Kaffee einschenkte und darauf achtete, dass niemand ging, ohne versorgt zu sein.
Dann stehen diese sechs Tassen plötzlich nicht einfach nur falsch auf dem Tisch.
Sie erzählen etwas von ihr.
Und vielleicht wird Ihnen in diesem Moment schmerzlich bewusst, dass diese Frau, die Ihnen inzwischen bei so vielem fremd geworden ist, in einer einzigen vertrauten Bewegung noch sehr deutlich zu erkennen sein kann.
Das kann weh tun.
Es kann aber auch trösten.
Auch das gehört zu einem ehrlichen Umgang mit Demenz.
Nicht hinter jedem nächtlichen Tun steckt eine schöne Erinnerung. Ein Mensch kann Angst haben, Schmerzen, Harndrang oder körperliches Unwohlsein. Ein Infekt kann Unruhe erheblich verstärken, ebenso können Verstopfung oder Veränderungen bei Medikamenten eine Rolle spielen.
Wenn sich nächtliches Verhalten plötzlich neu zeigt oder auffällig verändert, sollte deshalb immer auch an körperliche Ursachen gedacht und gegebenenfalls ärztlich abgeklärt werden.
Biografie darf niemals dazu führen, Beschwerden zu übersehen.
Aber wenn körperlich nichts Neues erkennbar ist und bestimmte Handlungen immer wiederkehren, lohnt sich die Beschäftigung mit der Lebensgeschichte umso mehr.
Nicht mit der Frage: Welche schöne Bedeutung können wir diesem Verhalten geben?
Sondern viel schlichter:
Kenne ich diesen Menschen eigentlich gut genug, um zu verstehen, warum gerade diese Handlung für ihn so vertraut sein könnte?
Das kann eine Tochter manchmal beantworten.
Ein Ehepartner vielleicht sofort.
Manchmal hilft ein altes Fotoalbum.
Manchmal ein Gespräch mit Geschwistern.
Und manchmal fällt einem plötzlich etwas ein, das man seit Jahrzehnten nicht mehr bedacht hat.
Es gibt Angehörige, die mir erzählen, dass sie irgendwann nur noch die Demenz gesehen haben.
Das ist kein Vorwurf. Wenn der Alltag aus Pflege, Vorsicht, Organisation und Wiederholungen besteht, passiert das beinahe von selbst.
Aber ein Mensch war sechzig, siebzig oder achtzig Jahre lang jemand, bevor diese Erkrankung immer mehr Raum bekam.
Er hatte Eigenheiten.
Rituale.
Verantwortungen.
Menschen, die ihm wichtig waren.
Dinge, auf die er stolz war.
Dinge, vor denen er sich fürchtete.
Bestimmte Arten, Zuneigung zu zeigen.
Und manches davon bleibt erstaunlich lange erhalten, nur nicht mehr in einer Form, die wir sofort erkennen.
Vielleicht sehen Sie Ihre Mutter eines Nachts beim sorgfältigen Zusammenlegen eines Geschirrtuchs und erinnern sich plötzlich daran, wie ordentlich ihre Küche früher immer war.
Vielleicht beobachten Sie Ihren Mann, wie er zum wiederholten Mal die Haustür prüft, und denken zum ersten Mal seit Langem daran, dass er vierzig Jahre lang jeden Abend als Letzter durchs Haus gegangen ist und darauf geachtet hat, dass seine Familie sicher war.
Dann ist der Mensch für einen kleinen Augenblick wieder größer als seine Demenz.
Diese Augenblicke sind kostbar.
Nicht weil sie die Krankheit schöner machen. Demenz ist nicht schön.
Sondern weil sie uns daran erinnern, dass ein Mensch mehr ist als das, was ihm gerade nicht mehr gelingt.
Und vielleicht hilft genau dieses Wissen in der nächsten schwierigen Nacht ein kleines bisschen.
Nicht unbedingt beim Schlafen.
Aber beim Verstehen.
Wenn Ihre Mutter wieder in der Küche steht, müssen Sie nicht alles laufen lassen. Sie dürfen sie schützen, begrenzen und zurück ins Bett begleiten. Sie dürfen auch erschöpft sein und sich wünschen, sie würde endlich schlafen.
Doch vielleicht schauen Sie einen Moment länger auf ihre Hände.
Auf die Selbstverständlichkeit, mit der sie eine Tasse an den richtigen Platz stellt.
Und vielleicht erkennen Sie darin etwas, das Ihnen sehr vertraut ist.
Dann sehen Sie für diesen kurzen Moment nicht nur eine alte Frau, die nachts Dinge tut, die keinen Sinn mehr zu ergeben scheinen.
Sie sehen Ihre Mutter.
Mit ihrer Geschichte.
Mit ihrer Art, für andere zu sorgen.
Mit einem Stück ihres früheren Lebens, das irgendwo in ihr noch immer einen Weg nach draußen findet.
Und während Sie ihr später vielleicht zurück ins Bett helfen, wissen Sie zumindest eines ein wenig besser als vorher:
Sie ist Ihnen nicht in allem verloren gegangen.
Manches von ihr ist noch da.
Wir müssen nur manchmal lernen, es an anderen Stellen zu erkennen.
Herzlichst Ihre
Elke Hanak
Elkine-Seniorenbetreuung
In den vergangenen fast 25 Jahren meiner Arbeit in der häuslichen 24 Stunden Seniorenbetreuung haben mir unzählige Angehörige und Senioren ihre ganz persönliche Odyssee erzählt.
Viele berichteten von mehreren vergeblichen Anläufen, ständig wechselnden Betreuungskräften, Verständigungsproblemen, kurzfristigen Absagen oder Versprechungen, die sich später als falsch herausstellten. Andere erzählten mir, wie sehr sie die Flut an Angeboten im Internet überfordert hat. Fast jeder Anbieter wirbt mit einer legalen Beschäftigung, hoher Qualität und günstigen Preisen. Für jemanden, der sich zum ersten Mal mit diesem Thema beschäftigt, ist es nahezu unmöglich, den Überblick zu behalten.
Im Laufe der Jahre habe ich immer wieder dieselben Fragen gehört und dieselben Irrtümer erlebt. Viele Angehörige verlassen sich verständlicherweise auf Aussagen, die sie von Anbietern oder Betreuungskräften erhalten. Erst später stellt sich manchmal heraus, dass wichtige rechtliche Voraussetzungen für eine legale Beschäftigung gar nicht erfüllt waren.
Die vielen Gespräche mit Angehörigen und Senioren haben mich dazu bewogen, diese Informationen zusammenzustellen. Sie sollen Ihnen eine erste Orientierung geben und aufzeigen, worauf Sie bei der Auswahl einer 24 Stunden Pflege und Betreuung achten sollten. Je besser Sie informiert sind, desto leichter fällt es Ihnen, Angebote richtig einzuordnen und die für Ihren Angehörigen passende Entscheidung zu treffen.
Hinweis: Die folgenden Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine Rechtsberatung. Je nach Beschäftigungsmodell und Einzelfall können weitere gesetzliche Regelungen zu beachten sein.
Bevor Sie sich für eine Betreuungskraft entscheiden, sollten Sie zunächst klären, auf welcher rechtlichen Grundlage die Betreuung erfolgen soll. Davon hängen unter anderem die erforderlichen Unterlagen, sozialversicherungsrechtliche Voraussetzungen sowie weitere Rechte und Pflichten ab.
Grundsätzlich kommen bei einer 24 Stunden Pflege und Betreuung folgende Beschäftigungsmodelle in Betracht:
Jede legale Beschäftigung einer 24 Stunden Betreuungskraft sollte sich eindeutig einem dieser Beschäftigungsmodelle zuordnen lassen. Kann Ihnen niemand nachvollziehbar erklären, auf welcher rechtlichen Grundlage die Betreuung erfolgen soll oder werden Ihnen die entsprechenden Nachweise nicht vorgelegt, sollten Sie das Angebot sorgfältig prüfen.
Lassen Sie sich nicht allein von Aussagen wie „Ich bin krankenversichert.“, „Ich habe eine europäische Krankenversicherungskarte.“ oder „Ich habe ein Gewerbe.“ überzeugen. Diese Angaben allein sagen noch nichts darüber aus, ob eine Betreuungskraft in Deutschland auf einer rechtlich zulässigen Grundlage tätig ist.
Gerade in sozialen Netzwerken, Kleinanzeigen oder auf Internetplattformen werden häufig Betreuungskräfte oder sogenannte Vermittler angeboten. Fragen Sie deshalb immer nach:
Seriöse Unternehmen und Betreuungskräfte werden Ihnen diese Fragen nachvollziehbar beantworten und die entsprechenden Nachweise vorlegen.
Die einzelnen Beschäftigungsmodelle sowie die jeweiligen rechtlichen Voraussetzungen werden in den folgenden Abschnitten ausführlicher erläutert.
Viele Angehörige wissen nicht, dass für Betreuungskräfte aus EU-Mitgliedstaaten und Nicht-EU-Staaten unterschiedliche gesetzliche Regelungen gelten.
Während Betreuungskräfte aus EU-Mitgliedstaaten – je nach Beschäftigungsmodell – unter bestimmten Voraussetzungen in Deutschland tätig werden können, gelten für Betreuungskräfte aus Nicht-EU-Staaten zusätzliche aufenthalts- und arbeitsrechtliche Vorschriften.
Gerade hier kommt es häufig zu Missverständnissen.
Immer wieder wird Angehörigen erklärt, eine Betreuungskraft dürfe aus einem Nicht-EU-Staat für bis zu drei Monate als Tourist nach Deutschland einreisen, während dieser Zeit hier arbeiten, anschließend wieder ausreisen und nach einigen Monaten erneut auf diese Weise tätig werden.
Das ist so nicht richtig.
Eine visumfreie Einreise oder ein touristischer Aufenthalt dient grundsätzlich nicht der Arbeitsaufnahme in Deutschland. Wer aus einem Nicht-EU-Staat in Deutschland als Arbeitnehmer tätig werden möchte, benötigt hierfür grundsätzlich ein Arbeitsvisum bzw. einen Aufenthaltstitel mit Arbeitserlaubnis.
Ein solcher Aufenthaltstitel wird in der Regel nicht allgemein für jede beliebige Tätigkeit erteilt, sondern steht im Zusammenhang mit einem konkreten Beschäftigungsverhältnis. Deshalb sollte sich nachvollziehen lassen, für welchen Arbeitgeber die Arbeitsaufnahme in Deutschland erlaubt wurde.
Lassen Sie sich deshalb immer erklären, auf welcher rechtlichen Grundlage die Betreuungskraft in Deutschland tätig wird. Geben Sie sich nicht mit allgemeinen Aussagen zufrieden, sondern bitten Sie darum, sich die entsprechenden Nachweise zeigen zu lassen. Seriöse Unternehmen und Betreuungskräfte werden Ihnen diese selbstverständlich vorlegen.
Welche Unterlagen erforderlich sind, hängt immer vom jeweiligen Beschäftigungsmodell ab. Trotzdem gibt es einige Nachweise, die Angehörige grundsätzlich vor Beginn einer Betreuung anfordern sollten.
Dazu gehören je nach Modell unter anderem:
Lassen Sie sich die Unterlagen nicht nur zeigen, sondern möglichst vor Beginn der Arbeit aushändigen. Bewahren Sie Kopien sorgfältig auf. Sie dienen auch Ihrer eigenen Absicherung.
Vergleichen Sie bei Arbeitsbeginn außerdem, ob die Person, die tatsächlich bei Ihnen erscheint, mit den zuvor angekündigten Unterlagen übereinstimmt. Sollte kurzfristig eine andere Betreuungskraft kommen, sollten auch für diese Person die entsprechenden Unterlagen vorliegen.
Bestehen Sie immer auf einem schriftlichen Vertrag. Mündliche Absprachen führen später häufig zu Missverständnissen und lassen sich im Streitfall nur schwer nachweisen.
Aus dem Vertrag sollte eindeutig hervorgehen,
Lesen Sie den Vertrag in Ruhe durch und unterschreiben Sie nichts, was Sie nicht vollständig verstanden haben. Lassen Sie sich unklare Formulierungen erklären und bewahren Sie den Vertrag zusammen mit allen weiteren Unterlagen sorgfältig auf.
Wer in Deutschland als Arbeitnehmer beschäftigt wird, hat grundsätzlich Anspruch auf die in Deutschland geltenden Mindestarbeitsbedingungen. Das gilt auch für Betreuungskräfte, die aus dem Ausland kommen oder von einem ausländischen Unternehmen nach Deutschland entsandt werden.
Maßgeblich ist nicht der Mindestlohn des Herkunftslandes, sondern der in Deutschland geltende gesetzliche Mindestlohn. Dieser beträgt derzeit 13,90 Euro brutto pro Stunde. Schlechte oder geringe Deutschkenntnisse rechtfertigen keinen niedrigeren Lohn. Höhere Löhne können selbstverständlich individuell vereinbart werden, eine Vergütung unterhalb der gesetzlichen Mindestarbeitsbedingungen ist jedoch nicht zulässig.
Auch Bereitschaftszeiten müssen berücksichtigt werden. Muss eine Betreuungskraft zum Beispiel nachts im Haushalt anwesend sein, weil der Senior zur Toilette begleitet werden kann oder aus anderen Gründen Hilfe benötigt, handelt es sich nicht einfach um unbezahlte Freizeit. Solche Bereitschaftszeiten können vergütungspflichtig sein und müssen bei der Berechnung der Arbeitszeit und Bezahlung beachtet werden.
Deshalb sollten ungewöhnlich günstige Angebote für eine 24 Stunden Pflege und Betreuung kritisch hinterfragt werden. Fragen Sie sich, wie bei diesem Preis der gesetzliche Mindestlohn, die Vergütung von Bereitschaftszeiten und die übrigen gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden können.
Bei tatsächlich selbstständig tätigen Betreuungskräften gelten die gesetzlichen Mindestlohnvorschriften hingegen nicht. Hier wird die Vergütung in der Regel frei, zum Beispiel über ein Tageshonorar, vereinbart. Voraussetzung ist jedoch, dass die Selbstständigkeit tatsächlich vorliegt.
Die A1-Bescheinigung ist ein wichtiger Nachweis bei Betreuungskräften, die aus einem anderen EU-Mitgliedstaat nach Deutschland kommen und entweder von einem ausländischen Unternehmen entsandt werden oder dort selbstständig tätig sind.
Mit der A1-Bescheinigung wird nachgewiesen, in welchem Land die Betreuungskraft sozialversichert ist. Sie zeigt also, dass die Betreuungskraft nicht einfach ohne sozialversicherungsrechtliche Grundlage in Deutschland arbeitet.
Die A1-Bescheinigung sollte vor Beginn der Tätigkeit vorliegen und während des gesamten Einsatzes mitgeführt bzw. jederzeit verfügbar sein, damit sie bei einer Kontrolle vorgelegt werden kann.
Achten Sie außerdem auf die Gültigkeitsdauer der A1-Bescheinigung, da diese in der Regel zeitlich befristet ist.
Wer einen fremden Menschen in sein Zuhause aufnimmt, sollte sich vor Beginn der Betreuung auch ein aktuelles Führungszeugnis beziehungsweise einen vergleichbaren Strafregisterauszug zeigen lassen.
In Deutschland wird hierfür ein Führungszeugnis ausgestellt. In vielen anderen Staaten gibt es vergleichbare Dokumente, beispielsweise einen Strafregisterauszug oder eine polizeiliche Unbescholtenheitsbescheinigung. Die Bezeichnungen können von Land zu Land unterschiedlich sein.
Lassen Sie sich nicht mit der Aussage abspeisen, ein solcher Nachweis sei im Heimatland nicht erhältlich. In den meisten europäischen Staaten und auch in vielen Ländern außerhalb der Europäischen Union können entsprechende Bescheinigungen beantragt werden.
Viele Angehörige verlassen sich auf die Aussagen von Vermittlungsagenturen, Betreuungsunternehmen, Online-Portalen, Internetplattformen oder Betreuungskräften und gehen davon aus, dass sie rechtlich auf der sicheren Seite sind, wenn sie einen Vertrag mit einem Vermittler oder Anbieter abgeschlossen haben.
Immer wieder höre ich den Satz:
„Ich habe doch einen Vertrag mit einer Vermittlungsagentur abgeschlossen. Wenn etwas nicht stimmen sollte, ist das doch das Problem der Vermittlungsagentur und nicht meins.“
Dieser Irrtum kann schwerwiegende Folgen haben.
Ein Vertrag mit einer Vermittlungsagentur, einem Betreuungsunternehmen oder einem anderen Anbieter bedeutet nicht automatisch, dass die Beschäftigung der Betreuungskraft den gesetzlichen Vorgaben entspricht. Er schützt Auftraggeber auch nicht automatisch davor, selbst rechtlich zur Verantwortung gezogen zu werden.
Ein Vermittlungsvertrag oder Betreuungsvertrag ersetzt nicht die Pflicht, sich zu vergewissern, dass die Betreuungskraft in Deutschland auf einer rechtlich zulässigen Grundlage beschäftigt wird.
Werden bei einer Kontrolle Verstöße gegen gesetzliche Vorschriften festgestellt – beispielsweise gegen das Aufenthaltsrecht, das Arbeitsrecht, die Sozialversicherungspflicht oder die gesetzlichen Mindestlohnvorschriften – können je nach Einzelfall auch Auftraggeber mit erheblichen Bußgeldern, Nachforderungen von Sozialversicherungsbeiträgen und Steuern sowie weiteren zivil-, ordnungswidrigkeiten- oder strafrechtlichen Konsequenzen konfrontiert werden.
Fragen Sie deshalb immer nach,
Verlassen Sie sich nicht allein auf Werbeaussagen oder mündliche Zusicherungen. Lassen Sie sich die rechtlichen Grundlagen der Beschäftigung nachvollziehbar erklären und die entsprechenden Nachweise vorlegen.
Nichtwissen schützt im Regelfall nicht vor den Folgen einer rechtswidrigen Beschäftigung.
Eine Betreuungskraft begleitet einen Menschen oft rund um die Uhr und erhält dabei tiefe Einblicke in dessen Privatleben. Sie kennt häufig gesundheitliche Diagnosen, Medikamente, persönliche Gewohnheiten, familiäre Angelegenheiten, finanzielle Verhältnisse und viele weitere sensible Informationen.
Gerade deshalb sollten Datenschutz und Schweigepflicht von Anfang an schriftlich geregelt werden.
Achten Sie darauf, dass die Betreuungskraft oder das beauftragte Unternehmen eine Datenschutz- und Schweigepflichtvereinbarung unterzeichnet. Darin sollte geregelt sein, dass persönliche Daten und vertrauliche Informationen über den Senior und seine Angehörigen nicht unbefugt an Dritte weitergegeben werden dürfen.
Hierzu gehören beispielsweise Informationen über den Gesundheitszustand, Medikamente, Arztbesuche, finanzielle Angelegenheiten, familiäre Verhältnisse, Passwörter, Schlüssel oder andere persönliche Daten, die während der Betreuung bekannt werden.
Ebenso sollten Fotos, Videos oder Tonaufnahmen des Seniors oder seines persönlichen Umfeldes nur mit ausdrücklicher Zustimmung angefertigt oder weitergegeben werden.
Eine schriftliche Datenschutz- und Schweigepflichtvereinbarung schützt nicht nur den Senior und seine Angehörigen, sondern schafft auch für die Betreuungskraft klare Regeln und Vertrauen. Gerade in einer 24 Stunden Pflege und Betreuung, die auf einem besonders engen Zusammenleben basiert, ist gegenseitiges Vertrauen eine der wichtigsten Grundlagen für eine gute Zusammenarbeit.
Eine Betreuungskraft begleitet einen Menschen oft rund um die Uhr und erhält dabei tiefe Einblicke in dessen Privatleben. Sie kennt häufig gesundheitliche Diagnosen, Medikamente, persönliche Gewohnheiten, familiäre Angelegenheiten, finanzielle Verhältnisse und viele weitere sensible Informationen.
Gerade deshalb sollten Datenschutz und Schweigepflicht von Anfang an schriftlich geregelt werden.
Achten Sie darauf, dass die Betreuungskraft oder das beauftragte Unternehmen eine Datenschutz- und Schweigepflichtvereinbarung unterzeichnet. Darin sollte geregelt sein, dass persönliche Daten und vertrauliche Informationen über den Senior und seine Angehörigen nicht unbefugt an Dritte weitergegeben werden dürfen.
Hierzu gehören beispielsweise Informationen über den Gesundheitszustand, Medikamente, Arztbesuche, finanzielle Angelegenheiten, familiäre Verhältnisse, Passwörter, Schlüssel oder andere persönliche Daten, die während der Betreuung bekannt werden.
Ebenso sollten Fotos, Videos oder Tonaufnahmen des Seniors, seiner Angehörigen, der Wohnung oder des Hauses nur mit ausdrücklicher Zustimmung angefertigt oder weitergegeben werden. Dies gilt selbstverständlich auch für die Veröffentlichung oder Weitergabe über soziale Netzwerke, Messenger-Dienste oder andere digitale Medien.
Die Schweigepflicht sollte auch nach Beendigung der Betreuung uneingeschränkt fortbestehen. Persönliche Informationen, die während der Betreuung bekannt geworden sind, dürfen auch später nicht unbefugt weitergegeben oder veröffentlicht werden.
Lassen Sie sich außerdem bestätigen, dass personenbezogene Daten, Fotos oder Dokumente nach Beendigung der Betreuung gelöscht oder an Sie zurückgegeben werden, soweit keine gesetzlichen Aufbewahrungspflichten bestehen.
Eine schriftliche Datenschutz- und Schweigepflichtvereinbarung schützt nicht nur den Senior und seine Angehörigen, sondern schafft auch für die Betreuungskraft klare Regeln und Vertrauen. Gerade in einer 24 Stunden Pflege und Betreuung, die auf einem besonders engen Zusammenleben basiert, ist gegenseitiges Vertrauen eine der wichtigsten Grundlagen für eine gute Zusammenarbeit.
Der Begriff 24 Stunden Pflege und Betreuung bedeutet nicht, dass eine Betreuungskraft 24 Stunden am Tag ohne Unterbrechung arbeiten muss oder ständig verfügbar ist.
Auch in der häuslichen 24 Stunden Pflege und Betreuung gelten gesetzliche Vorschriften zu Arbeits-, Bereitschafts- und Ruhezeiten. Diese dienen dem Schutz der Betreuungskraft und letztlich auch der Sicherheit und Qualität der Betreuung.
Besprechen Sie deshalb bereits vor Beginn der Betreuung, welche Unterstützung tatsächlich benötigt wird und wie Arbeitszeiten, Bereitschaftszeiten, Ruhezeiten sowie freie Zeiten organisiert werden. Klare Absprachen schaffen Sicherheit und vermeiden spätere Missverständnisse.
Die Auswahl einer Betreuungskraft ist eine wichtige Entscheidung. Schließlich vertrauen Sie einem fremden Menschen nicht nur Ihren Haushalt, sondern oft auch einen Ihnen nahestehenden Angehörigen an.
Nehmen Sie sich deshalb ausreichend Zeit für Ihre Entscheidung. Lassen Sie sich Verträge und erforderliche Unterlagen zeigen, stellen Sie Fragen und geben Sie sich nicht mit allgemeinen Aussagen zufrieden.
Eine seriöse 24 Stunden Pflege und Betreuung zeichnet sich nicht durch den günstigsten Preis aus, sondern durch Transparenz, Rechtssicherheit und gegenseitiges Vertrauen.
Je besser Sie sich vor Beginn der Betreuung informieren, desto größer ist die Chance auf eine langfristig erfolgreiche und sichere Zusammenarbeit – zum Wohl des Seniors, der Angehörigen und der Betreuungskraft.
Es gibt Gewohnheiten, über die wir im Alltag kaum nachdenken. Morgens in Ruhe den ersten Kaffee trinken. Die Zeitung lesen. Das Fenster öffnen und nach dem Wetter schauen. Zur gewohnten Zeit zu Mittag essen oder am Nachmittag eine kleine Runde spazieren gehen. Solange wir gesund sind, erscheinen uns diese Rituale selbstverständlich.
Mit zunehmendem Alter verändert sich jedoch vieles. Krankheiten, körperliche Einschränkungen oder eine Demenzerkrankung führen häufig dazu, dass vertraute Abläufe nach und nach verloren gehen. Dabei sind es gerade diese kleinen, täglich wiederkehrenden Gewohnheiten, die vielen älteren Menschen Sicherheit, Orientierung und Lebensqualität schenken.
Viele pflegende Angehörige beobachten irgendwann, dass Mutter oder Vater den Überblick über den Tag verliert. Das Frühstück wird vergessen. Mittags wird nichts gegessen oder kurz darauf noch einmal nach einer Mahlzeit gefragt. Der Unterschied zwischen Vormittag und Nachmittag verschwimmt, Termine werden vergessen und manchmal scheint der ganze Tag nur noch aus Warten zu bestehen.
Gerade bei einer Demenzerkrankung geht häufig das Zeitgefühl verloren. Für Betroffene ist das sehr belastend. Was für uns selbstverständlich erscheint, ist für sie oft nicht mehr eindeutig einzuordnen. Welcher Wochentag ist heute? Ist es Morgen oder Abend? Habe ich heute schon gegessen? Muss ich gleich zur Arbeit?
Diese Unsicherheit kann Ängste auslösen. Viele Menschen reagieren darauf mit innerer Unruhe oder ziehen sich immer mehr zurück.
Der Mensch braucht Orientierung. Das gilt in jedem Alter, im höheren Lebensalter jedoch ganz besonders.
Feste Tagesabläufe helfen dabei, den Tag besser einzuordnen. Sie schaffen Verlässlichkeit und vermitteln das beruhigende Gefühl, dass das Leben trotz aller Veränderungen seinen gewohnten Rhythmus behält.
Dabei müssen es keine außergewöhnlichen Beschäftigungen sein.
Oft reichen schon kleine Rituale.
Gemeinsam frühstücken.
Zur gleichen Zeit zu Mittag essen.
Ein kurzer Spaziergang.
Ein Lieblingslied hören.
Die Blumen gießen.
Den Tisch decken.
Am Nachmittag gemeinsam Kaffee trinken.
Solche Gewohnheiten geben dem Tag eine Struktur und helfen vielen Senioren, sich besser zu orientieren.
Viele Angehörige glauben, sie müssten den gesamten Tag mit Aktivitäten füllen.
Das Gegenteil ist häufig der Fall.
Ältere Menschen benötigen ebenso Ruhe wie Beschäftigung.
Entscheidend ist nicht die Anzahl der Aktivitäten, sondern deren Sinn.
Ein gemeinsames Gespräch kann wertvoller sein als ein aufwendig vorbereitetes Beschäftigungsprogramm.
Gemeinsam Kartoffeln schälen.
Alte Fotoalben anschauen.
Über frühere Erlebnisse sprechen.
Zusammen den Garten genießen.
Den Vögeln am Fenster zusehen.
Manchmal genügt es sogar, einfach gemeinsam zu schweigen.
Auch das kann Nähe vermitteln.
Aus Liebe möchten Angehörige ihren Eltern oft möglichst viele Aufgaben abnehmen.
Doch genau das kann auf Dauer dazu führen, dass Fähigkeiten schneller verloren gehen.
Wer noch in der Lage ist, sich selbst zu waschen, sollte dabei unterstützt und nicht ersetzt werden.
Wer den Frühstückstisch noch decken kann, sollte diese Aufgabe weiterhin übernehmen dürfen.
Jeder selbstständig ausgeführte Handgriff stärkt das Selbstvertrauen und vermittelt das Gefühl, weiterhin gebraucht zu werden.
Unterstützung sollte deshalb immer dort beginnen, wo sie wirklich notwendig wird.
Nicht früher.
Menschen mit Demenz profitieren besonders von einem möglichst gleichbleibenden Tagesablauf.
Wiederkehrende Abläufe vermitteln Orientierung.
Sie reduzieren Unsicherheit.
Sie helfen, Ängste abzubauen.
Sie schaffen Vertrautheit.
Dabei geht es nicht darum, jede Minute genau zu planen.
Viel wichtiger ist ein ruhiger Rhythmus, der sich möglichst wenig verändert.
Gerade häufige Veränderungen können Menschen mit Demenz verunsichern.
Ein strukturierter Alltag hilft nicht nur dem Senior.
Auch pflegende Angehörige gewinnen dadurch mehr Sicherheit.
Viele Entscheidungen müssen nicht täglich neu getroffen werden.
Der Tag wird vorhersehbarer.
Stress nimmt ab.
Und häufig entstehen dadurch wieder kleine gemeinsame Momente, die im Pflegealltag sonst leicht verloren gehen.
So wichtig feste Strukturen auch sind – sie dürfen niemals zum starren Stundenplan werden.
Jeder Mensch hat sein ganzes Leben eigene Gewohnheiten entwickelt.
Der eine steht gerne früh auf.
Der andere schläft lieber etwas länger.
Manche Menschen lesen gerne.
Andere verbringen ihre Zeit lieber im Garten oder hören Musik.
Eine gute Tagesstruktur orientiert sich deshalb immer am Menschen und nicht an einem festen Schema.
Sie berücksichtigt Gewohnheiten, Wünsche und Fähigkeiten.
Denn was einem Menschen Sicherheit gibt, kann für einen anderen völlig bedeutungslos sein.
Viele Angehörige haben das Gefühl, immer etwas tun zu müssen.
Dabei wünschen sich ältere Menschen häufig etwas ganz anderes.
Zeit.
Ein Gespräch.
Ein gemeinsames Essen.
Ein Lächeln.
Jemanden, der zuhört.
Nicht jede Minute muss sinnvoll genutzt werden.
Manchmal entsteht Lebensqualität genau in den ruhigen Momenten, in denen zwei Menschen einfach zusammen sitzen und den Tag miteinander verbringen.
Vielleicht sind es gerade diese scheinbar kleinen Augenblicke, die einem älteren Menschen das größte Gefühl von Geborgenheit schenken.
Ihre Elke Hanak
Elkine-Seniorenbetreuung
Seit Jahrzehnten begleite ich pflegende Angehörige und Senioren. Mit meinen Ratgebern möchte ich Wissen verständlich vermitteln und Familien in einer oft herausfordernden Lebensphase unterstützen.
„Eine feste Tagesstruktur und verlässliche Rituale schenken Senioren Sicherheit und Lebensqualität. Als deutsche Elkine Seniorenbetreuung mit 25 Jahren Erfahrung stehen wir Ihnen als direkter Partner ohne ausländische Zwischenagenturen in ganz Deutschland, in jeder Stadt und in jedem Dorf> zur Seite. Bei uns arbeiten deutsche Kräfte oder Kräfte die sehr gut die deutsche Sprache sprechen. Durch unseren bewährten 14 tägigen Rhythmus garantieren wir Ihnen stets ausgeruhte und gleichbleibende Bezugspersonen für ein stabiles Umfeld. Informieren Sie sich hier über unsere spezialisierte 24 Stunden Demenzbetreuung oder unsere professionelle 24 Stunden Pflege und Betreuung für ein sicheres Zuhause.“>
Vielleicht sitzen Sie gerade am Küchentisch.
Es ist spät geworden.
Der Tag war lang.
Zu lang.
Ihr Partner schläft endlich. Oder vielleicht schläft er auch nicht. Vielleicht hören Sie jedes Geräusch aus dem Schlafzimmer. Vielleicht lauschen Sie unbewusst, ob alles in Ordnung ist.
Und während Sie dort sitzen, mit einer Tasse Kaffee oder Tee, die längst kalt geworden ist, stellen Sie sich eine Frage, die Sie niemandem erzählen.
Wann ist unser Leben eigentlich so geworden?
Sie erinnern sich an früher.
An gemeinsame Urlaube.
An lange Gespräche.
An das Lachen.
An die kleinen Streitigkeiten, die heute völlig belanglos erscheinen.
An die Zeit, als Sie Pläne geschmiedet haben.
Als die Zukunft noch etwas war, worauf man sich gefreut hat.
Und plötzlich stellen Sie fest, dass sich heute fast alles um Krankheiten, Medikamente, Arzttermine, Hilfsmittel und Sorgen dreht.
Viele Angehörige erschrecken über diesen Gedanken.
Doch Sie sind damit nicht allein.
Vielleicht lieben Sie Ihren Mann heute genauso wie vor vierzig Jahren.
Vielleicht lieben Sie Ihre Frau sogar noch mehr.
Denn Sie wissen heute, wie kostbar gemeinsame Zeit ist.
Und trotzdem gibt es Tage, an denen Sie traurig sind.
Nicht weil Sie Ihren Partner weniger lieben.
Sondern weil Sie ihn vermissen.
Das klingt zunächst seltsam.
Wie kann man einen Menschen vermissen, der direkt neben einem sitzt?
Doch viele Angehörige verstehen genau, was damit gemeint ist.
Sie vermissen die Gespräche von früher.
Sie vermissen gemeinsame Entscheidungen.
Sie vermissen den Menschen, mit dem sie die Kinder großgezogen haben.
Sie vermissen den Menschen, mit dem sie gereist sind.
Sie vermissen den Menschen, der früher stark war und auf den man sich verlassen konnte.
Der Mensch ist noch da.
Und gleichzeitig ist vieles nicht mehr so wie früher.
Diese Trauer ist real.
Und sie darf da sein.
Es gibt Gedanken, die Angehörige oft nicht einmal ihren engsten Freunden erzählen.
Gedanken, die sofort Schuldgefühle auslösen.
Vielleicht kennen Sie solche Gedanken.
"Ich kann nicht mehr."
"Ich wünsche mir einen einzigen Tag für mich."
"Ich bin einfach nur müde."
"Manchmal wünsche ich mir unser altes Leben zurück."
Und kaum sind diese Gedanken da, kommt die nächste Stimme:
"Wie kannst du so etwas denken?"
"Du musst dankbar sein."
"Du musst stark sein."
"Du darfst nicht jammern."
Doch warum eigentlich nicht?
Warum sollte ein Mensch nicht erschöpft sein dürfen?
Warum sollte ein Mensch nicht traurig sein dürfen?
Warum sollte ein Mensch nicht an seine Grenzen kommen dürfen?
Pflege verändert das Leben.
Und manchmal verändert sie es vollständig.
Das anzuerkennen ist kein Zeichen von Schwäche.
Es ist Ehrlichkeit.
Viele Angehörige sind nicht allein.
Und fühlen sich trotzdem einsam.
Freunde ziehen sich zurück.
Gespräche verändern sich.
Einladungen werden seltener.
Die Welt dreht sich weiter.
Während das eigene Leben immer kleiner wird.
Manche Angehörige verlassen das Haus nur noch für Arztbesuche oder Einkäufe.
Andere schlafen seit Jahren nicht mehr durch.
Wieder andere haben vergessen, wann sie das letzte Mal etwas nur für sich selbst getan haben.
Von außen sieht das oft niemand.
Die Nachbarn sehen den gepflegten Vorgarten.
Die Familie sieht die starke Ehefrau.
Die Kinder sehen den tapferen Vater.
Doch niemand sieht die Tränen im Badezimmer.
Niemand sieht die Angst vor der Zukunft.
Niemand sieht die Erschöpfung.
Irgendwann geschieht etwas, das viele Angehörige tief erschüttert.
Die Rollen verändern sich.
Langsam.
Fast unmerklich.
Und plötzlich ist man nicht mehr nur Ehefrau.
Nicht mehr nur Ehemann.
Man wird Pflegeperson.
Man hilft beim Anziehen.
Beim Waschen.
Beim Toilettengang.
Beim Essen.
Beim Aufstehen.
Und irgendwann fragt man sich:
Wo sind wir als Paar geblieben?
Viele Angehörige fühlen sich für diesen Gedanken schuldig.
Dabei ist er völlig verständlich.
Denn niemand heiratet einen Pflegefall.
Man heiratet einen Menschen.
Einen Partner.
Eine große Liebe.
Und wenn Krankheit diesen Menschen verändert, dann verändert sie oft auch die Beziehung.
Einer der größten Irrtümer lautet:
„Ich muss das alleine schaffen.“
Nein.
Müssen Sie nicht.
Und ehrlich gesagt:
Niemand sollte das müssen.
Ein Mensch kann einen anderen Menschen lieben.
Ein Mensch kann einen anderen Menschen begleiten.
Ein Mensch kann einen anderen Menschen unterstützen.
Aber niemand kann über Jahre hinweg rund um die Uhr stark sein, ohne selbst Schaden zu nehmen.
Hilfe anzunehmen bedeutet nicht, den Partner im Stich zu lassen.
Es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen.
Auch für sich selbst.
Vielleicht müssen Sie heute gar nicht stark sein.
Vielleicht müssen Sie nicht alles schaffen.
Vielleicht müssen Sie nicht für jeden eine Antwort haben.
Vielleicht dürfen Sie einfach nur müde sein.
Traurig sein.
Verzweifelt sein.
Und trotzdem ein guter Ehepartner bleiben.
Denn gute Ehepartner sind nicht die Menschen, die niemals an ihre Grenzen kommen.
Gute Ehepartner sind die Menschen, die jeden Morgen wieder aufstehen und weitermachen.
Obwohl es schwer ist.
Obwohl sie Angst haben.
Obwohl sie manchmal nicht mehr wissen, wie es weitergehen soll.
Wenn Sie diesen Text lesen und sich darin wiederfinden, dann möchte ich Ihnen etwas sagen:
Sie sind nicht allein.
Mit Ihren Sorgen nicht.
Mit Ihrer Erschöpfung nicht.
Mit Ihrer Trauer nicht.
Mit Ihren Schuldgefühlen nicht.
Und auch nicht mit Ihrer Liebe.
Denn all diese Gefühle gehören zu diesem Weg.
Viele Menschen gehen ihn.
Viele schweigen darüber.
Und genau deshalb glauben so viele Angehörige, sie seien die Einzigen, denen es so geht.
Sind sie nicht.
Sie tun jeden Tag Ihr Bestes.
Und manchmal ist genau das mehr als genug.
Copyright © Elkine-Seniorenbetreuung,
Ihre Elke Hanak
Wenn die Pflege die eigene Ehe belastet, braucht es Mut, sich Hilfe zu holen, um wieder Ehepartner und nicht nur Pflegekraft zu sein. Als deutsche Elkine Seniorenbetreuung mit 25 Jahren Erfahrung stehen wir Ihnen als direkter Partner ohne ausländische Zwischenagenturen in ganz Deutschland, in jeder Stadt und in jedem Dorf zur Seite. Bei uns arbeiten deutsche Kräfte oder Kräfte die sehr gut die deutsche Sprache sprechen. Durch unseren bewährten 14 tägigen Rhythmus garantieren wir Ihnen stets ausgeruhte und gleichbleibende Bezugspersonen für ein stabiles Umfeld. Informieren Sie sich hier über unsere spezialisierte 24 Stunden Demenzbetreuung oder unsere professionelle 24 Stunden Pflege und Betreuung für ein sicheres Zuhause und neue Kraft für Ihre Partnerschaft.